
| In den Wolfsteingraben fährt man mit dem Auto oder mit dem Fahrrad am besten über Loosdorf, Mauer und Umbach, wo ein kleines Landgasthaus zur kurzen Rast einlädt, dann weiter bis nach Häusling. Zweigt man mitten in dem kleinen Ort in der Linkskurve nach rechts ab, so kommt man bald zu dem kleinen Felsvorsprung auf dem die Feste des Rittergeschlechtes der Häusler stand. Die einstige Funktion als Burgstall ist selbst den Einheimischen unbekannt. |
| Auf den seitlichen Anrissen und auf der oberen Verebnung sind aber noch deutlich die Mauerreste zu sehen. Der etwas eingesenkte Halsgraben trennt die kleine Felsnase deutlich von dem angebauten Bauernhaus ab. Die winzige Festung geht auf das 12. Jahrhundert zurück: 1186 nennt sich "Timo von Huselin", ein Gefolgsmann der Grafen von Poi. gen-Rebgau, nach diesem Ort. Die Häusier erscheinen später auch im Besitz anderer Burgen um und am Dunkelsteinerwald. Viel später werden sogar ein "ober und nider Haus dacz dem Heuslein" genannt, wonach in Häusling sogar zwei Festungsanlagen gestanden haben müßten. Biegt man am nördlichen Ortsausgang nach links ab, so führt der Weg an dem kleinen Landgasthaus vorbei direkt an einen Steinbruch heran, der bis vor einigen Jahrzehnten noch einige wirtschaftliche Bedeutung hatte. Es ist ein Marmorsteinbruch mit einem hellgrauen, kristallinen Kalk, der sehr schöne Farben und Strukturen zeigt. Zwar ist er wegen der teils rostfarbenen, unschönen Finschlüsse für eine feinere Steinrnetzarbeit weniger geeignet, aber für Meilensteine, Marterlsockein, Radabweiser, Treppenstufen, Brunnentröge und Grabsteine fand er in der näheren und weiteren Umgebung sehr häufig Verwendung. Ja sogar einige der in der Gegend gefundenen, römischen Steinreste wurden bereits aus Häus, linger Marmor hergestellt. Das nicht verwertbare Bruchmaterial brannte man bis in die Nachkriegszeit zu einem Baukalk. Darauf verweist auch die Bezeichnung "Kalkherg" der Anhöhe über Häusling. Kalk- und Marmorsteinbrüche gab es auch bei Dürnberg im Wolfsteingraben und bei Aggsbach. Im Zusammenhang mit den Kalklagern kommt auch Graphit vor, der gleichfalls in der Umgebung abgebaut wurde. Schon die Töpfer im Mittelalter nutzten dieses Mineral zur Verbesserung ihrer Tonwaren. Graphit war aber zu Kriegszeiten ein begehrtes Rohmaterial für die Schmelztiegeln, weshalb sogar der unreine Graphit des Dunkelsteinerwaldes abgebaut wurde. |
| Im Reintal, südlich des Binderbergs, findet man noch das Mundloch
eines Stollens und die Halde des ehemaligen Bergwerks. Hier beschäftigte
man während des Ersten Weltkriegs noch bis zu 30 Arbeiter. Fährt
man von Häusling den Berg abwärts, so kommt man zum lokalen "Verkehrsknoten"
in Kochholz, wo es in einem Einkehrgasthaus eine Nächtigungsmöglichkeit
gibt. Hier schließt die Straße von Gerolding ein und zweigt
die nach Gansbach ab.
Zugleich beginnt hier im obersten Wolfsteingraben das Besengäu. Dieser umfaßt die kleinen Ortschaften und Einzelhöfe bis hinauf auf die Anhöhe des Dunkelsteiner- waldes. Mit ziemlicher Sicherheit ist die Bezeichnung auf die Arbeit des Besenbindens und Korbflechtens zurückzuführen, die man in den langen, früher sehr schneereichen Wintern zu einem Nebenerwerb ausbaute. Seinerzeit hat man den Holzreichtum auch für die Herstellung von Dachschindeln, Weinstecken, Holzschuhen und Holzkohle in Kohlenmeilern genutzt. Heute sind diese Hausgewerbe zur Gänze verschwunden. Die forstliche Nutzung dieses Gebietes ist nach wie vor bedeutend, sie kommt jedoch nicht mehr an die Bedeutung früherer Zeiten heran. Bis in die Zwischenkriegszeit wurde von hier aus Holz den Bach abwärts zur Donau geschwemmt und von dort nach Wien geflößt. Das Holz gab früher wesentlich mehr Arbeit und Einkommen. Schon oberhalb von Mauer ist für den aufmerksamen Einheimischen
eine klimatische Grenzlinie erkennbar: Ist im Süden bereits der Frühling
eingezogen, so ist im Bereich des Wolfsteingrabens und auf dem Hochplateau
noch tiefster Winter. Meist geht hier oben bereits ein frischer Wind, der
im Winter als sehr kalt, im Sommer dagegen als kühlend und erfrischend
empfunden wird. Die Einwohner des Besengäus werden daher für
wetterfeste und in ihrer Art eher herbe und spröde Menschen gehalten,
die früher offenbar mit einem großen Kinderreichturn gesegnet
waren. Ein liebenswürdiger Spottvers weist auf diese Natur- und Charaktereigenschaften
hin:
Wer durch Häusling fohrt und siacht ka Kind
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| Durch den tief eingeschnittenen Wolfsteingraben führt heute eine
gut ausgebaute Straße hinunter
zur Donau. Sie erschließt das ehemals bedeutsam Gebiet des Aggswaldes.
Bereits am Beginn sind auf den Anhöhen urzeitliche bis mittelalterliche
Wehranlagen zu finden. Eine ist noch bei der Einmündung des Reintals
im sogenannten "Schlössel" zu erkennen. Weiter talabwärts, in
einer scharfen Kurve beim Sägewerk unterhalb der Ruine Wolfstein,
liegt ein größerer, geborstener Stein, an dem ein kleiner Bildstock
mit einer Darstellung des hl. Wolfgang als "Spatzenschreck" steht. Diese
despektierliche Bezeichnung im Volksmund rührt daher, daß der
Heilige bei seiner Wanderung durch das Tal hier auf dem Stein sitzend sein
karges Mahl verzehren wollte, ihm aber die Spatzen und Elstern das Brot
vom Mund wegschnappten. Wütend und mit dem Fuß aufstampfend
- der Fußabdruck ist heute noch im Stein zu sehen - habe er das freche
gefederte Volk verflucht und für alle Zeiten aus dem Graben verbannt.
Tatsächlich gibt es hier keine Elstern und nur sehr selten Spatzen
oder andere Vögel. Dies dürfte aber weniger eine Folge des Fluches,
sondern eher als Folge des fehlenden Getreideanbaus anzusehen sein. Der
heilige Bischof Wolfgang von Regensburg gilt wegen seiner nicht seltenen
Kirchen, gründungen in unerschlossenem Wald als Rodungsheiliger und
Patron der Holzfäller und Köhler. Steine, auf denen Abdrüke
des Heili- gen zu sehen sind, werden mehrfach auch in anderen Gegenden
gezeigt, vor allem an jenen Stellen, von wo aus er eine Axt zur Abgrenzung
eines Gebietes oder zur Festlegung eines Ortes geworfen haben soll. Dieser
seltsam geformte Stein unter der Ruine, der Name des Grabens als Hinweise
auf den Rodungsheiligen Wolfgang, die Bezeichnung Aggswald und die früher
so wichtige Holzfällerarbeit sind auf die Rodungstätigkeit, aber
vermutlich auch auf uralte Mythen und Kulte in einem christlichen Gewand
zurückzuführen.
Von der ehemaligen Mächtigkeit der Festung Wolfstein zeugen die
noch heute starken, jedoch zusehends verfallenden Mauern der Ruine. Über
den alten Burgweg gelang man rasch auf die Anhöhe des Burgfelsens.
Der Halsgraben, die Torbauten, die Ringmauern
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| Einige Kilometer das enge gewundene Tal abwärts steht man unvermittelt vor den Bauwerken der ehemaligen Kartause Aggsbach. Die aneinandergereihten Gebäude liegen in der schmalen Talerweiterung und schmiegen sich dem steilen Hang an. 1380 stiftete der mächtige Heidenreich von Maissau hier die Kartause Marienpforte für zwölf Mönche und einen Prior und stattete sie mit Gütern im Aggswald und der weiteren Umgebung aus. Die Geschichte des Klosters entwickelte sich ruhig und ohne besondere Zäsuren, so wie es den Ideen des Ordens entspricht. Selbst die Zeit der Reformation überstand es ohne größere Schwierigkeiten. 1670 wurde das Haus zur Prälatur erhoben und erlebte noch eine kurze barocke Blüte. 1783 hob Kaiser Joseph 11. die Kartause auf, in seinem reformerischen Bermühen, alle nutzlosen kirchlichen Einrichtungen zu beseitigen. Die Bibliothek und das Archiv wurden abtransportiert, die Einrichtung in alle Winde verstreut, die Kirche zur Pfarrkirche bestimmt und schließlich im heutigen Garten die zwölf Häuschen der Mönche abgerissen. Der nichtkirchliche Teil des ehemaligen Klosters kam in private Hand, dann zu Wohnungen umfunktioniert und diente 1875 bis 1909 als Forstschule. Schließlich erwarb ein Industrieller die teils stark verfallenen Gebäude und erneuerte sie mit viel Liebe und finanziellem Aufwand von Grund auf. |
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